Nachzahlung ohne Ablesung: Wien Energie schätzt 25 Prozent der Kunden

In den letzten Tagen und Wochen – wie immer im April oder Mai – erhielten viele Wiener Haushalte die Jahresabrechnungen der Wien Energie, des ausgegliederten Unternehmens der Gemeinde Wien f√ľr Strom, Gas und Fernw√§rme.

Der kalte Winter hatte es offenbar in sich, trotz angeblicher Tarifsenkung. Beim Studium des Kleingedruckten mussten viele Kunden erkennen, dass der Z√§hlerstand bei Gas oder Storm gar nicht abgelesen, sondern “gesch√§tzt” wurde.

Laut Regulierungsbeh√∂rde e-Control d√ľrfen Energieversorgungsunternehmen bis zu drei Jahre lang den Verbrauch ihrer Kunden¬†sch√§tzen. Wenn jedoch jemand Einspruch gegen die solcherart ermittelte Rechnung erhebe, werde sie meistens korrigiert.

“Irrt√ľmlich gr√∂√ütenteils keine Ablesungen”

Wien Energie Haus

Wien Energie schätzt 25 Prozent der Kunden

Mit diesem “Wissen im K√∂cher” sowie mit den aktuellen Z√§hlerst√§nden von Strom und Gas wandten wir uns an die Hotline der Wien Energie. Nach Bekanntgabe der Z√§hlerst√§nde r√§umte die freundliche Dame ein, es sei nur gesch√§tzt worden, nachdem “irrt√ľmlich gr√∂√ütenteils keine Ablesungen stattfanden”. Die Rechnung wird nun vom Unternehmen storniert, nicht abgebucht und neu erstellt.

Wien-Energie-Pressessprecher Christian Ammer¬†teilte Unzensuriert.at mit, dass etwa 25 Prozent der Wiener Haushalte ihre Rechnung auf Basis einer Sch√§tzung erhalten h√§tten. Der Anteil wirkt noch h√∂her, wenn man bedenkt, dass sehr viele Strom- und Gasz√§hler auch ohne¬†Anwesenheit des Kunden f√ľr das Unternehmen zug√§nglich sind, weil sie sich etwa in eigenen Z√§hlerr√§umen und nicht in der Wohnung befinden.

Keine pauschalen Erhöhungen der Vorjahresrechnungen

¬†Die Wien Energie beteuert jedoch, einmal im Jahr an s√§mtliche Kunden mit dem Wunsch nach Ablesung heranzutreten ‚Äď durch einen Hausaushang oder auch durch die Zusendung einer Karte zum Selbstablesen. Dass viele Kunden nun nachzahlen m√ľssen, obwohl gar nicht abgelesen wurde, liege daran, dass durch den kalten Winter erfahrungsgem√§√ü h√∂here Heizkosten angefallen seien. Es gebe jedoch keine pauschale Erh√∂hung s√§mtlicher Vorjahrsrechnungen, sondern einen Algorithmus, der das Nutzverhalten und die konsumierten Leistungen eines jeden Kunden ber√ľcksichtige, versichert die Wien Energie.

Deimek fordert Preisregulierung: “Privatkunden sind Melkk√ľhe!”¬†

F√ľr FP√Ė-Konsumentensprecher Gerhard Deimek handelt es sich bei den gesch√§tzten Rechnungen dennoch um eine ‚Äě√ľble Praxis‚Äú. Er empfiehlt allen betroffenen Kunden, Einspruch zu erheben. Deimek kritisiert √ľberdies, dass die Preise f√ľr Strom und Gas im Jahr 2009 in √Ėsterreich weiter gestiegen sind, w√§hrend sie im EU-Durchschnitt teils deutlich zur√ľckgingen. Er macht sich daher f√ľr eine Preisregulierung durch eine parit√§tische Kommission stark, zumal die Energieversorger die Privatkunden als Melkk√ľhe betrachten und Preissenkungen nur an Gro√ükunden weitergeben w√ľrden.


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