Die Post schließt sich selbst, und alle gewinnen

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Die Post will sich von ihren √Ąmtern trennen. Nur noch in St√§dten und Ballungszentren sollen sie √ľber kurz oder lang erhalten bleiben, berichtet die Presse. Versteckt wird der Kahlschlag hinter einer Marketing-Aktion f√ľr mehr Post-Partner. Briefen haftet k√ľnftig also der unverkennbare Benzin-Geruch von Tankstellen an. Pakete kommen auf die Apothekerwaage. Ihre Briefmarken k√∂nnen Sie sich gleich auf Vorrat zulegen, wenn Sie das n√§chste Mal ein Auto kaufen.

Die Blumen der v√∂lligen Liberalisierung √∂ffentlicher Dienstleistungen sind bei der Post noch l√§ngst nicht aufgebl√ľht. Die Knospen sprie√üen jedoch schon. Das seit 1. J√§nner g√ľltige Postmarktgesetz sch√ľtzt keine einzige Filiale mehr. Die Post kann jede offizielle Stelle zusperren, wenn sie einen Post-Partner als Ersatz findet. Und die Werbung f√ľr die Flilaenschlie√üung l√§uft auf Hochtouren. Generaldirektor Georg P√∂lzl hat die Wirtschaftskammer und den Gemeindbund als Keiler f√ľr sein “Post-Partner-Konzept 2010″ angeworben. Deren Vorsitzende erledigen den Job voll Begeisterung. Die W√ľnsche der Kunden werden in den Mittelpunkt ger√ľckt f√ľr dieses rot-wei√ü-rote Erfolgsmodell, bem√ľht man sich um positive Formulierungen.

“Wir werden dauerhaft und nachhaltig unsere B√ľrgermeister/innen √ľber die M√∂glichkeiten, neue Poststellen zu schaffen, informieren”, t√∂nt Gemeindebund-Pr√§sident M√∂dlhammer. In der Praxis k√∂nnte das so aussehen, skizziert der freiheitliche Konsumentensprecher Gerhard Deimek: Eine Gemeinde, die im Budget einen Verlust ausweist – und das sind derzeit viele – wird vom Land an die Kandare genommen, doch im Gemeindeamt einen Post-Partner unterzubringen. Einen kleinen Beitrag zur Sanierung des eigenen Haushalts wird man ja noch erwarten d√ľrfen. Und schwupps ist das n√§chste Postamt weg.

Die H√§nde reibt sich da schon Wirtschaftskammer-Pr√§sident Christoph Leitl. Jeder Postler, der in die Selbst√§ndigkeit gezwungen wird, um seinen Job zu retten, ist f√ľr ihn ein Gewinn. Das gibt tolle Unternehmensgr√ľndungsstatistiken und mehr Geld in die Zwangskasse der Kammer. Ausgebildete Post-Mitarbeiter ersparen sich sogar die bestimmt hochqualitative dreit√§gige Einschulung f√ľr die neuen Post-Partner. Und wer den Sprung ins unternehmerische Risiko scheut, kann immerhin Polizist werden. Der Applaus der Innenministerin f√ľr die Aktion wird also nicht lange auf sich warten lassen, l√§sst sich so doch das Sicherheitsproblem in unserem Land flugs aus der Welt schaffen.

Zusätzlich wird noch der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft gestärkt, weil Sie den Inhalt ihrer vertraulichen Briefe vom Gericht gleich in bierseliger Stammtischrunde besprechen können, wenn Sie ihre Zuschriften vom Dorfwirten abholen.

Quasi eine Win-Win-Win-Win-Win-Situation, wie wir es in unserer neoliberalen Welt ja gewöhnt sind.


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